Dummy Arbeit

 

 

DummyHier möchte ich ein wenig über das Arbeiten des Retrievers mit Dummies erzählen, weil es meinen Hunden und auch mir selber viel Spaß bereitet und ich es für eine sehr interessante Beschäftigungsmöglichkeit auch für den “nur” Familienhund halte. Nicht jeder hat gleich das Interesse und die Ambitionen einen Workingtest zu bestreiten oder eine Prüfung abzulegen, aber auch der “nur” Familienhund muss beschäftigt werden! Und warum dann nicht eine Beschäftigung wählen, die dem Labrador Retriever ohnehin angeboren ist? Vieles aus dem Dummy - Bereich kann man sehr gut in den alltäglichen Spaziergang mit einbauen. So gestaltet man die Spaziergänge mit dem Hund und für den Hund interessanter und abwechslungsreicher und stärkt auch die Bindung zwischen Hund und Hundeführer!

 

 

 

Wozu überhaupt Dummy - Arbeit?

 

Apport

Der Retriever ist eine Jagdhundrasse und dabei ist es seine Spezialität, erlegtes Wild zu apportieren, also die Arbeit nach dem Schuss. Somit kommt die Beschäftigung mit Dummies seinen natürlichen Eigenschaften sehr nahe.
Er kann dabei seine natürlichen Veranlagungen einsetzen und wird zudem sinnvoll beschäftigt!
Dazu bedarf es gar nicht viel, und es macht dem Hund und auch seinem Besitzer meist eine Menge Spaß!
Dabei ist es nicht wichtig, ob man sich einer privaten Dummy - Gruppe anschließt oder eine Gruppe mit gezieltem Training mit der Option auch mal eine Prüfung abzulegen oder an einem Working - Test teilzunehmen sucht. Auch wenn man halt nur für sich selber und vor allem für den Hund trainiert, ist es auf jeden Fall eine Bereicherung für das Zusammenleben mit Ihrem Retriever!
Ihr Hund wird dadurch nicht nur körperlich ausgelastet, er muss auch seinen Kopf einsetzen.
Zudem fördert gemeinsames Arbeiten mit Ihrem Hund Ihre Bindung und schafft Vertrauen!

 

 

 

Was ist überhaupt ein Dummy?

 

Die Dummyarbeit und somit auch das Wort Dummy kommt aus England und bedeutet übersetzt soviel wie Attrappe (Nachbildung). Es ist ein Ersatz für echtes Wild!
Dummies gibt es in unterschiedlichen GewichtenDummy = Einzahl, Dummies = Mehrzahl.
Es wurde und wird verwendet, um die Hunde auch außerhalb der Jagdsaison zu trainieren.
Das Dummy ist ein Leinensäckchen welches mit verschiedenen Materialien gefüllt (je nach Hersteller) und in verschiedenen Gewichten angeboten wird. Standardmäßig setzt man es in der 500 Gramm Version ein.
Auch wird es in verschiedenen Farben angeboten, wobei bei der Farbauswahl entscheidend ist, was trainiert werden soll! Dummies gibt es in unterschiedlichen Farben
Beispielsweise eignet sich ein rotes bzw. oranges Dummy sehr gut dazu, dass der Hund seine Nase einsetzt, da er die Farbe Rot/ Orange nicht gut sieht und er sich somit mehr auf seine Nase, als auf seine Augen verlassen muss.
In der Regel wird aber mit einem grünen 500 Gramm Dummy gearbeitet.

 

 

Was sollte der Hund mitbringen?

 

Einige Grundvoraussetzungen sollte der Hund für die Arbeit mit Dummies mitbringen!
Er sollte einen guten Grundgehorsam besitzen, das heißt er macht auf Kommando Sitz, Platz, er hat eine gute Leinenführigkeit, er folgt frei bei Fuß, er kennt den Befehl “Bleib”, er lässt sich gut abrufen und ist eventuell auch schon mit der Hundepfeife vertraut.
Wenn er nun auch schon gezeigt hat, dass er gerne Gegenstände aufnimmt und umher trägt, dann steht der Dummyarbeit eigentlich nichts mehr im Weg!

Wie bei der Hundeerziehung, sollte man auch bei der Dummyarbeit mit positiver Verstärkung arbeiten. Moxonleine, Halsband und Leine in einem Stück
Gewünschtes Verhalten sollte angemessen belohnt werden!
Man beginnt zunächst auch nur in kleinen Schritten und wählt die Distanzen in der ein Dummy liegt oder geworfen wird nicht allzu groß, damit der Hund so schnell wie möglich zum Erfolg kommt, indem er das Dummy findet, er also sozusagen Beute macht.
So kann der Hund Vertrauen aufbauen, dass wenn sein Mensch ihn schickt, dass dort auch etwas liegen muss.
Dummyarbeit bezeichnet man auch gerne als Fleißarbeit, weil man sich stets in kleinen Schritten dem eigentlichen Ziel nähert!

 

 

Trainingsaufbau

 

Zu Beginn des Trainings sollte man sich genau überlegen, welche Kommandos man benutzen möchte und diese dann auch immer mit der entsprechenden Übung kombinieren, damit der Hund diese Kommandos mit den dazugehörigen Aufgaben verknüpfen kann.
Beispielweise sage ich bei einer Markierung stets “Apport”, so weiß mein Hund, dass er nun die Markierung arbeiten soll! Bei einer Suche das Kommando “Such” etc..
Aber die Wortwahl des Kommandos ist jedem selbst überlassen, Hauptsache ist, dass sie zum Ziel führt und Ihr Hund weiß, was er bei dem jeweiligen Kommando zu tun hat. Daher ist es natürlich ganz wichtig, dass es immer gleich benutzt wird.
Ob Sie die Befehlswörter nun in deutsch oder in englisch geben, das bleibt Ihrem persönlichen Geschmack überlassen!
Bei der Dummyarbeit setzt man aber nicht nur verbale Kommandos (akustisches Signal)Hundepfeifen mit unterschiedlichen Frequenzen sondern auch Sichtzeichen (optisches Signal) und Pfeifkommandos (akustisches Signal) ein.
Überlegen Sie sich also auch schon vorher, welches Handzeichen Sie zu welchem Zweck benutzen möchten!
Die Pfeife setzt man ein, weil sie auf weitere Distanzen für den Hund hörbar ist und stets gleich klingt.
Hierbei sollte der Hund ein Pfeifsignal fürs Zurückkommen (meistens der kurze Doppelpfiff), für das Sitz bzw. das Abstoppen auf Entfernung ( ein langgezogener Einzelpfiff) und den Suchenpfiff (kurze aufeinanderfolgende Pfeiftöne) auf Entfernung kennen lernen.

 

 

Verschiedene Apportierarten

 

Bei der Dummyarbeit unterscheidet man verschiedene Apportierarten:

 

 

Das Markieren

(englisch “Marking”)
Der Hund sieht die Flugbahn und die Fallstelle eines oder mehrerer Dummies. Er soll sich nun die Fallstellen auch über einen längeren Zeitraum merken und darf erst nach Aufforderung durch seinen Führer zum vorgegebenen Dummy laufen.
Er sollte dabei den direkten Weg wählen, das Dummy aufnehmen und sofort zu seinem Führer zurückkommen.
Ziel bei einer Markierung ist es, dass der Hund aufmerksam ist, sich die Fallstellen merkt, er Entfernungen einschätzen lernt um später “fast” punktgenau zur Fallstelle zu laufen und das Dummy unverzüglich auf direktem Weg zurückbringt (retrieve).
Bei Mehrfachmarkierungen muss der Hund die vorgegebene Reihenfolge seines Führers befolgen.
Zu Beginn des Trainings sollte die Distanz des geworfenen Dummys gering gewählt werden, damit der Hund lernt sich auf seine Markierfähigkeit zu verlassen.
Wichtig ist auch das Ihr Hund absolut steady (ruhig) bei solchen Übungen ist, dass heißt er sollte gelassen und ruhig neben Ihnen sitzen und erst auf Ihren Befehl hin das Dummy holen.
Steadiness (Standruhe) ist bei der Dummyarbeit eine Grundvoraussetzung, der Hund darf nicht einspringen, winseln, fiepen oder gar bellen, während er warten muss.
Bei einer Einzelmarkierung (Single Mark) wird nur ein Dummy geworfen, bei einer Doppelmarkierung (Double Mark) werden, wie der Name schon sagt, 2 Dummies geworfen, die der Hund sich merken soll und in vorgegebener Reihenfolge arbeiten soll.
Bei einem Memory Mark wird die Markierung entweder zeitversetzt gearbeitet oder der Standort wird gewechselt, so dass der Hund von einer anderen Stelle auf das Dummy geschickt wird.
Bei einer Markierung mit Verleitung wird dem Hund während er sich bereits auf dem Rückweg (retrieve) des ersten Dummys befindet ein weiteres Dummy geworfen, welches er zwar beobachten darf, von dem er sich aber nicht davon abbringen lassen darf, seinen Apport des ersten Dummys zu beenden.
Hiermit trainiert man die Zuverlässigkeit des Hundes, damit er, egal was auch passiert, seinen Apportbefehl ausführt und nicht versucht das Dummy zu tauschen!

 

 

Das Einweisen

(englisch “Directions”)
Beim Einweisen hat der Hund im Gegensatz zur Markierung die Flugbahn und somit die Fallstelle des Dummys nicht gesehen, sondern sein Hundeführer kennt die Fallstelle bzw. er weiß wo sich die ausgelegten Dummies befinden und lenkt nun seinen Hund mit Hilfe von Stimme, Handzeichen und Pfeifsignalen (akustische und optische Signale) in das vorgesehene Gebiet.
Dieses nennt man auch arbeiten auf ein Blind Dummy, also in englisch ein “unseen retrieve” (ungesehenes zurückbringen).
Für diese Art der Dummyarbeit ist ein aufeinander aufbauendes Training notwendig, außerdem muss der Hund gut lenkbar sein und absolutes Vertrauen zu seinem Führer entwickeln, damit er sich auch auf sehr weite Distanzen lenken lässt!
Hier ist ein immer wiederkehrendes Training wichtig, welches in kleinen einzelnen Bausteinen aufgebaut wird, um es dann später in Kombination miteinander einsetzten zu können.

 

Die einzelnen Bausteine bestehen aus:

Voran
Hierbei hat der Hund in gerader vorgegebener Linie zu laufen, bis er von seinem Führer einen anderen Befehl bekommt. Dies können 20 Meter oder auch 120 Meter und noch mehr sein.
Für diesen Befehl stellt man sich in die gewünschte Richtung, und der Hund hat sich dieser Stellung anzupassen, d.h. er richtet seinen Körper in die gleiche Richtung wie sein Hundeführer und sitzt links neben ihm. Dann schickt man den Hund mit dem Arm bzw. der Handfläche in die gewünschte vorgegebene Richtung. Zusätzlich kann man auch seine Füße als Richtungsweiser einsetzen und beim Schicken einen Schritt mit nach vorne machen.
Ziel ist es, dass der Hund solange in einer geraden Linie nach vorne läuft bis er von seinem Hundeführer durch das Stopp - Sitz Pfeifsignal abgestoppt wird!

Konzentrieren auf die Aufgabe, kurz vor dem Voran schicken

 

Abstoppen
Wird er abgestoppt, hat der Hund sich in die Richtung seines Führers zu drehen und die nächste Richtungsanzeige entgegenzunehmen.
Dabei ist es wichtig, dass der Hund sich auf den Hundeführer konzentriert um die entsprechende Richtungsanzeige auch umsetzen zu können.
Der Hundeführer sollte dabei eine klare Körpersprache zeigen, damit sein Hund ihn auch auf größeren Distanzen noch wahrnimmt.

Abstoppen mit eindeutigem Signal

 

Links bzw. Rechts schicken
Der Hund wartet sitzend in Entfernung und soll sich mit dem dazugehörigen Handzeichen in einem 90° Winkel entweder nach Links oder Rechts, je nach Vorgabe des Hundeführers (verschiedene Richtungszeichen) in gerader Linie weiterbewegen.
Auch hier hat er wieder so lange in einer Linie weiterzulaufen, bis er einen erneuten Befehl erhält.

Nach Rechts "rüber" schicken

 

Gerades Zurückschicken
Beim geraden Zurückschicken, mit entsprechenden Handzeichen, soll der Hund sich um 180° drehen, um dann gerade in entgegengesetzte Richtung zu laufen.
Diesen Befehl nennt man auch englisch Back bzw. Zurück.
Ist der Hund am Zielgebiet angekommen, übermittelt man ihm mit dem Suchenpfiff, dass er jetzt nach dem Dummy suchen soll.

 

 

Die Verlorensuche

(englisch “Hi Lost”)
Bei einer Verlorensuche kennt weder der Hund noch der Hundeführer die Fallstellen.
Der Hund wird in ein vorgegebenes Gebiet geschickt, in dem er selbstständig die Dummies suchen soll.
Der Hund muss lernen, ein Gelände systematisch abzusuchen. Dazu muss er vor allem lernen seine Nase einzusetzen.
Auch wenn der Hund von Natur aus ein “Nasentier” ist, muss er meist erst erlernen, dass er seiner Nase auch vertrauen kann um ein Dummy zu finden. Es wird vom Hund Selbstständigkeit und genügend Ausdauer erwartet und dass er entsprechende Härte besitzt, auch durch unwegsames Gelände (Dornen, Disteln etc.) zu gehen. Sobald er ein Dummy gefunden hat, muss er auf schnellstem und direktem Weg zu seinem Führer zurück kommen, um danach erneut ins Suchengebiet geschickt zu werden.

 

 

Retrieve, zurück bringen des Dummys

Das zurück Bringen
(englisch “Retrieve”)

Der Hund hat nach Aufnahme (pick up) des Dummys unverzüglich und auf schnellstem Wege zu seinem Hundeführer zurückzukommen, dabei sollte er mit der gleichen Geschwindigkeit zurückkommen, mit der er rausgelaufen ist.
Der Hund darf sich durch nichts ablenken lassen, auch nicht durch andere Dummies die auf dem Rückweg liegen könnten.
Das heißt, er darf auf keinen Fall das Dummy welches er geholt hat, mit einem anderen Dummy tauschen.

 

 

Die Abgabe

Abgabe des Dummys mit Vorsitzen

(englisch “Delivery”)
Bei der Abgabe des Dummys (Delivery) sollte der Hund das Dummy seinem Führer mit erhobenen Kopf anbieten und erst auf den Befehl “Aus” das Dummy ausgeben.
Der Hund darf das Dummy weder frühzeitig ausspucken noch darauf herum knautschen.
Da die Dummy Arbeit ursprünglich aus dem jagdlichen Bereich kommt und zur Ausbildung von Jagdhunden dient, wird auf den korrekten Umgang mit dem Dummy sehr großen Wert gelegt
(z.B. auf Prüfungen), denn das Dummy dient ja als “Wildersatz”. Es könnte also beispielsweise ein Fasan, eine Ente oder dergleichen sein, und man erwartet von einem Retriever Weichmäuligkeit, dies bedeutet, dass das Stück (Dummy oder Wild) unversehrt übergeben werden muss!
Der Hund darf daher das Dummy (Wild) weder zu fest noch zu locker tragen! Trägt er es zu locker im Maul besteht die Gefahr, dass er es unterwegs fallen lässt.

 

 

 

 

DummyDies war eine kleine Beschreibung dessen, was bei der Dummy Arbeit trainiert wird, bzw. worum es dabei überhaupt geht!
Ich kann hier natürlich keinen genauen Trainingsaufbau beschreiben, aber vielleicht haben Sie nun eine kleine Vorstellung davon bekommen und auch gefallen an der Sache gefunden?
Dann kann ich Ihnen nur raten, sich ein gutes Buch über die Dummyarbeit zu kaufen und sich mit einer guten Trainingsgruppe in Verbindung zu setzen. Vielleicht kennen Sie auch jemanden, der sich schon damit beschäftigt, und Ihnen die ersten Schritte zeigen kann. Sie werden sehen, auch Sie werden viel Spaß daran haben!
Denn nicht nur Ihr Hund muss lernen, sondern auch Sie!
Sie müssen sich mit Windrichtungen (Witterungsverhältnisse), verschiedenen Bewuchsarten (Geländeverhältnisse) und natürlich mit Ihrem Hund auseinandersetzen und das ist sehr spannend!

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund viel Spaß dabei!!

 

 

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© seit 2004 Claudia Pelzer